Die Kette des Fahrrades ist ein Verschleißteil. Durch die starke Belastung beim Vorwärtstreten (ja, jeder Fahrradfahrer und jede Fahrradfahrerin auch der oder die Schwächste belastet die Kette durch die Vorwärtsbewegung mit einer erheblichen durch die Hebelwirkung der Pedalarme noch vervielfachten Kraft) wird die Kette allmählich immer länger und länger. Von Zeit zu Zeit (alle 1000km) sollte daher die Kette kontrolliert und gegebenenfalls gewechselt werden, um den Verschleiß der anderen Antriebsteile: Ritzel (das sind die kleinen Zahnräder am Hinterrad) und Kettenblätter (die großen Zahnräder vorn am Tretlager, wo die Pedale angebracht sind) zu reduzieren.
Nur wenn die Kette rechtzeitig gewechselt wird, kann ein Wechsel der Ritzel und/oder Kettenblätter vermieden werden und nur dann. Wenn es schon kracht beim Anfahren an der Kreuzung dann wird ein Austausch aller drei Komponenten (Kette, Ritzel und Kettenblätter) sehr viel teurer.
Natürlich hilft eine regelmäßige Kettenpflege die Lebensdauer der Kette zu verlängern – aber Hände weg von Dampfreinigern und Hochdruckreinigern. Der starke Strahl dringt in jeden Lagerbolzen der Kette ein und ruiniert sie garantiert in kürzester Zeit.

Wie eine gelängte Kette gegenüber einer neuen aussieht und was sie an Ritzeln und Kettenblättern anzurichten vermag, mag sich die geneigte Leserin und der interessierte Leser [url=http://user.cs.tu-berlin.de/~uniradpw/cgi-bin/yawps/topics.cgi?op=view_topic;cat=antrieb;id=39]hier [/url] ansschauen.

g/180px-Zahnkranzpakete.jpg[/img] [/url][/center]
zu sehen sind.
Die Zähne des oberen, alten Ritzels sind merklich verschlissen, das Material ist durch die gelängte Nachdem bereits [url=http://user.cs.tu-berlin.de/~uniradpw/cgi-bin/yawps/topics.cgi?op=view_topic;cat=antrieb;id=16] hier [/url] über den an der Fahrradkette auftretenden Verschleiß geschrieben wurde, soll nun der Aufklärung mithilfe fotografisch reproduktiver Methoden nachgeholfen werden.
Die Bilder sollten nach dem Draufklicken eine größere, manchmal auch ausführlichere Version ihrer selbst in einem neuen Fenster deines Lieblingsbrowsers offerieren.

Wie im oben verlinkten Beitrag schon festgestellt, längt sich die Kette unter dem Einfluss physikalischer Kräfte. Wie stark das ist, deutet dieses Bild an:
[center][url=http://user.cs.tu-berlin.de/~uniradpw/yawps/images/uploads/AntriebVerschleiss/Kette_gelaengt-gross.jpg] [img]http://user.cs.tu-berlin.de/~uniradpw/yawps/images/uploads/AntriebVerschleiss/Kette_gelaengt-klein.jpg[/img] [/url][/center]
Die untere der beiden Fahrradketten auf dem Bild ist eine – im großen Bild nach dem Klick besser erkennbare – neue Kette, zwischen der neuen und dem Maßband liegt eine, die eindeutig gelängt und damit verschlissen ist. Nach 15 Kettengliedern ist die verschlissene Kette bereits um etwa ein halbes Glied länger als die neue Fahrradkette. Dass eine solche Kette nicht mehr in die für eine neue Fahrradkette ausgelegten Zwischenräume der Zähne an Ritzel (so werden die am Hinterrad befestigten meist kleineren Zahnkränze genannt) oder am Kettenblatt (die vorne mit den Pedalen verbundenen großen Zahnkränze) passt, dürfte klar sein.
Was macht also die Kette, wenn sie da, wo sie hinein gehen sollte, nicht mehr hineinpasst? Sie hatte, bevor sie so lang geworden ist wie die hier oben gezeigte einige Zeit die Zahnzwischenräume an Ritzeln und Kettenblättern ihrer neuen Länge anzupassen.
Die Kette wird ja nicht schlagartig länger, sondern der Verschleiß der Kette und Längung der Kette setzt langsam, ganz allmählich ein und ist in seinem Verlauf auch sehr von Fahrstil (Stichwort: Kettenlinie), Umwelteinflüssen und Kettenpflege abhängig.
Aber in jedem Fall passt die Kette – während sie sich längt – zunächst die Zwischenräume der Zähne an den Ritzeln ihrer neuen Länge an, damit sie wieder richtig dort hineinpasst. Das Ende dieses Prozess sieht in etwa so aus:
[center] [url=http://user.cs.tu-berlin.de/~uniradpw/yawps/images/uploads/AntriebVerschleiss/Ritzel_verschlissen-gross.jpg] [img]http://user.cs.tu-berlin.de/~uniradpw/yawps/images/uploads/AntriebVerschleiss/Ritzel_verschlissen-klein.jpg[/img] [/url] [/center]

Dies ist ein einzelnes Ritzel eines auseinander genommenen Schraubkranzes, wie sie als neu etwa hier auf den Bildern aus der Wikipedia:
[center][url=http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/da/Zahnkranzpakete.jpg/675px-Zahnkranzpakete.jpg] [img]http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/da/Zahnkranzpakete.jpKette nach außen abgetragen worden, wie hier auf dem Ausschnittbild [url=http://user.cs.tu-berlin.de/~uniradpw/yawps/images/uploads/AntriebVerschleiss/Ritzel_verschlissen_ausschnitt-gross.jpg] [img]http://user.cs.tu-berlin.de/~uniradpw/yawps/images/uploads/AntriebVerschleiss/Ritzel_verschlissen_ausschnitt-klein.jpg[/img] [/url] noch eimal deutlicher erkennbar ist. Durch das Fehlen des Materials an den Ritzelaußenkanten rutscht am Ende die Kette unter größerer Last (wie sie beispielsweise beim Anfahren auftritt) über die Ritzel hinweg, es kommt zu dem typischen Kettenkrachen auf dem Ritzel, das beim Lieblingsgang eingelegt ist.
Dieses hier gezeigte Ritzel ist ein Extremfall. Dass es in der vorliegenden Form überhaupt noch seinen Dienst am Fahrrad getan hat, ist verwunderlich. Den jüngeren 8 oder 9-fach HG oder IG-Ritzeln sieht man, obwohl sie nicht mehr funktionieren, den Verschleiß gar nicht mehr so deutlich an. Um deren Verschleiß zu prüfen, gibt es spezielles Werkzeug (HG/IG-Checker) oder aber die Ritzel werden im Fahrradladen beim geringsten Verdacht auf Verschleißanfänge bei einem Kettenwechsel mitgetauscht, ganz einfach, zur Vermeidung von erbosten Kunden, die sich nach einer Reparatur beschweren, dass das Fahrrad noch schlechter führe als zuvor.
Die Ritzel sind wegen der geringeren Zähnezahl zwar dem Verschleiß durch die gelängte Kette stärker ausgesetzt als die größeren und mit viel mehr Zähnen versehenen Kettenblätter. Aber auch bei diesen
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[url=http://user.cs.tu-berlin.de/~uniradpw/yawps/images/uploads/AntriebVerschleiss/Kurbelgarnitur_verschlissen-gross.jpg] [img]http://user.cs.tu-berlin.de/~uniradpw/yawps/images/uploads/AntriebVerschleiss/Kurbelgarnitur_verschlissen-klein.jpg[/img] [/url] [/center]
nagt eine gelängte Kette irgendwann gewaltig an den Zähnen.
Auf dem Foto derselben Kurbelgarnitur von der normalerweise dem Fahrradrahmen zuweisenden inneren Seite kann man nicht nur sehr schön den Unterschied zwischen dem wahrscheinlich so gut wie nie gefahrenen kleinsten Kettenblatt, dem bereits verschlissenen mittleren Kettenblatt und dem über kein Material für den Halt irgendeiner Kette mehr verfügenden großen Kettenblatt sehen:
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[url=http://user.cs.tu-berlin.de/~uniradpw/yawps/images/uploads/AntriebVerschleiss/Kurbelgarnitur_verschlissen_innen-gross.jpg] [img]http://user.cs.tu-berlin.de/~uniradpw/yawps/images/uploads/AntriebVerschleiss/Kurbelgarnitur_verschlissen_innen-klein.jpg[/img] [/url] [/center]
hier lässt sich sogar die Diagnose stellen: [i]Rechtsfüßer mit geringer Neigung zum schnellen Pedalieren und zum runden Tritt[/i], die Zähne sind an den Stellen, die sich bei der natürlicherweise größten Kraftübertragung über die Pedale ganz oben, also an der Stelle der stärksten Beanspruchung durch die Kette, befinden am abgeschliffensten. Die Stellen der „Totpunkte“ – vorm Pedalarmansatz und um 180° versetzt, gegenüber dem Pedalarm – sind vergleichsweise wenig abgenutzt. Die Zähne, die in der Innenansicht nach unten (und in der Außenansicht wegen des um einen halbe Umdrehung versetzten Pedalarms ebenso nach unten) zeigen, sind stärker abgenutzt und zeigen dann nach oben, wenn der (im Bild gezeigte) rechte Pedalarm nach vorn weist, der rechte Fuß also die größte Kraft aufs Pedal zu bringen in der Lage ist.
Jemand bezeichnete einen solchen Fahrstil, dessen Wirkungen zumindest aufs Fahrradmaterial hier drastisch dargestellt wurden, im Gegensatz zu dem mit ca. 70-90 Kurbelumdrehungen pro Minute normalen Treten ziemlich zutreffend als „Stampfen“.